Das Ende der Republik Südvietnam am 30. April 1975

Vor 50 Jahren zerstörte der Vietcong die Hoffnung der Südvietnamesen auf ein Leben in Freiheit und ohne Terror. Was wurde ihr Schicksal? Verfolgung und Ermordung wegen Kollaboration mit dem Feind, Umsiedlung, Enteignung, Umerziehung und der bis heute anhaltende Versuch, ihr Gedächtnis und damit ihre Geschichte auszulöschen. Viele traten die Flucht an, oft mit tödlichem Ausgang. Glücklicherweise erreichten manche Deutschland.

Panzer der nordvietnamesischen Armee unter der NLF-Flagge auf dem Gelände des Präsidentenpalastes (heute Palast der Wiedervereinigung, Saigon, April 1975)

Panzer der nordvietnamesischen Armee unter der NLF-Flagge auf dem Gelände des Präsidentenpalastes (heute Palast der Wiedervereinigung, Saigon, April 1975)
Panzer der nordvietnamesischen Armee unter der NLF-Flagge auf dem Gelände des Präsidentenpalastes (heute Palast der Wiedervereinigung, Saigon, April 1975)

Fotos: CPA Media Pte Ltd / Alamy Stock Foto

Im Palast soll sich das folgende Gespräch bei der Übergabe zugetragen haben: „Im Empfangssaal wartete Staatschef General Minh, seit dreiundvierzig Stunden im Amt. Als ein Offizier des Vietcong den Saal betrat, soll ihn Minh angeherrscht haben: ,Ich warte hier seit dem frühen Morgen, um Ihnen die Macht zu übergeben.‘ Darauf erwiderte der Offizier gelassen: ,Es geht nicht darum, die Macht zu übergeben. Sie können nicht etwas übergeben, was Sie gar nicht besitzen.‘“ So wird die Geschichte in der Reiseliteratur erzählt und so habe ich sie in „Podium und Pampers“ (2010,139) wiedergegeben. Zutreffend ist die Ansicht des Offiziers jedoch nicht: Die Südvietnamesen verzeichnen bis heute eine lange Geschichte leidvoller Entwicklungen. Sie haben gegen koloniale Vormacht, Misswirtschaft und korrupte Regierungen gekämpft. Bis zur Beendigung des Vietnamkriegs und der gewaltsamen Machtübernahme durch Nordvietnam brachten sie ihren Widerstand zum Ausdruck, sich dem autoritären Regime im Norden zu unterwerfen. Im ersten Indochinakrieg ging es noch um die Herrschaft in einem einheitlichen Staat Vietnam, der 1949 mit Kaiser Bảo Đại an der Spitze unter französischem Protektorat gegründet wurde. Ho Chi Minh hatte bereits 1945 in Hanoi die sogenannte Demokratische Republik Vietnam ausgerufen und nach dem Ende des chinesischen Bürgerkriegs und der Flucht Tschan Kai-Sheks nach Taiwan nahm die Unterstützung von Mao massiv zu. Er wollte seinen Einflussbereich ausweiten. Nachdem 1954 im Genfer Abkommen der 17. Breitengrad als Teilung Vietnams festgelegt wurde, setzte aus dem Norden eine Massenflucht nach Südvietnam ein, während sich Guerillakämpfer aus dem Süden in den Norden zurückzogen. Nach endgültiger Beendigung der Kaiserherrschaft 1955 wurde die Republik Südvietnam mit einer Verfassung als nicht-diktatorisches Gegenmodell zu Nordvietnam gegründet. Zusammen mit den USA lehnte Südvietnam die in Genf vorgesehenen Gesamtwahlen ab, aus Furcht, es könnte dabei der kontrollierten Mehrheit der Stimmen in Nordvietnam unterliegen. Allmählich begann ein zweiter Vietnamkrieg, der zu einem zwei Jahrzehnte währenden schweren und opferreichen Einsatz der südvietnamesischen Bevölkerung insgesamt und ihrer Armee führte. Sie wollten nicht erobert werden und bis heute dürfen sie darauf nicht stolz sein. Hatten die gutmeinenden Protestierenden mit ihren Vietnam-Demos der 60er Jahre davon einen „irgendeinen Schimmer“? Das Land hätte sich vielleicht ähnlich freiheitlich wie Südkorea entwickeln können, wenn der Krieg anders ausgegangen wäre!

Autor: bender

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